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Sicario 2 (Sicario: Day of the Soldado)

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  • Sicario 2 (Sicario: Day of the Soldado)

    Sicario war für mich einer der besten Thriller der letzten Jahre. Möglicherweise der beste den ich seit vielen Jahren gesehen habe. Denis Villeneuve hat hier mit Josh Brolin, Benicio del Toro und Emily Blunt in meinen Augen ein kleines Meisterwerk geschaffen. Hervorragend fotografiert, mit eindringlicher Musik und einer topaktuellen Botschaft, ein Film, der in meinen Augen über den Tellerrand des typischen Genre-Vertreters hinausschaut.







    Sicario 2 hat also somit die besten und schlechtesten Voraussetzungen zugleich. Wie ist Stefano Sollima nun dieses Problem angegangen? Und hat er es lösen können?

    Erstmal: Sicario 2 ist ein ganz anderer Film als der Vorgänger. Das kann man nun natürlich gut oder schlecht finden. Vom Prinzip her finde ich es erstmal gut. Denn Fortsetzungen von Filmen die eigentlich als Einzelerzählung geplant waren, gehen ja leider oft genug in die Hose.

    Nun hat also Stefano Sollima das Ruder in seinem ersten amerikanischen Film übernommen. Ich mochte seine italienischen Sachen, zumindest das bisschen was ich davon gesehen habe (Suburra, Gomorrha (Serie)), insbesondere finde ich die visuelle Ästhetik in der Regel sehr reizvoll.

    Sicario 2 wurde ja als Prequel angekündigt, wenn ich mich richtig erinnere. Aus der Handlung selbst wird nicht wirklich klar, ob der Film inhaltlich vor oder nach der Geschichte des ersten Teils spielt. Es spielt auch keine Rolle.

    Spoiler ->

    Die Ermordung von Alejandros Familie wird, wie im ersten Teil, nur erwähnt, ist aber kein Teil der Handlung.


    Der MacGuffin, der das Setting des Films etabliert, selbst ist in meinen Augen ein bisschen albern geraten, das war im ersten Teil besser gelöst.

    Spoiler ->
    Die Drogenkartelle schmuggeln islamistische Selbstmordattentäter über die mexikanische Grenze? Echt jetzt? - Nee, nicht wirklich, wie die Auflösung zeigt


    Wie albern das ist, merkt man auch daran, wie er sich dann beiläufig in Luft auflöst. Aber gut, irgendeinen Aufhänger muss die Story haben und das ist er eben.

    Daraufhin werden Einsatzkräfte gesucht, gefunden und losgeschickt um dieses Problem einzudämmen. Die Lösung die sich die Strategen für dieses Problem ausgedacht haben, ist so einfach wie dumm: Macht was, damit der Frieden zwischen den Kartellen endet.

    Spoiler ->

    Hierbei wird mal wieder jegliche Moral über Bord geworfen, Alejandro wütet nach Belieben, man, also die US-Einsatzkräfte, schrecken nicht vor Kindesentführung (und -ermordung) zurück


    Nun ja. Die machen dann halt auch.

    Was den Film vom ersten Teil massiv unterscheidet, ist, dass eine Rolle wie die von Emily Blunt und ihrem Kollegen nicht existiert. Wir haben hier keine idealistische, moralisch nicht total verkommene Person im Film, die für uns als Korrektiv dient und uns mit unserem Entsetzen über die Skrupellosigkeit nicht allein lässt. Im zweiten Teil lässt man die ganze Finsternis hingegen ungefiltert auf uns los.

    Stefano Sollima verfolgt hier seinen üblichen visuellen Stil, der sich doch sehr von Villeneuve unterscheidet. Die Farbgebung bedient sich kälterer Paletten. Die Kamera bewegt sich viel auf Augenhöhe und alles wirkt kalt, poliert, emotionslos. Wie gesagt, ich mag seinen Stil, aber es ist eben nicht der Kontrast, den Villenneuve durch seine poetischen Bilder dem kalten Geschehen entgegensetzt.

    Die Filmmusik kommt wieder aus Island, durch den Tod von Jóhann Jóhannsson, hat Hildur Guðnadóttir das Ruder übernommen. Die Musik ist ordentlich, ohne ganz an die vorherige Heranzureichen.

    Also, alles anders, auch alles gut?

    Leider nicht. Was den weltanschaulichen Unterbau des ersten Teils angeht, hat die Fortsetzung überhaupt nichts hinzuzufügen. Die Story ist ziemlich wirr, einiges davon löst sich in Luft auf, anderes ergibt wenig Sinn. Das Fehlen von einer Rolle ala Emily Blunts ist vielleicht nicht dramatisch, nimmt dem Film aber auch ein wenig von der Besonderheit die der erste Teil hatte.

    Und das Ende. Ja, das Ende ist ziemlich bescheuert.

    Von daher bleibt am Ende ein ordentlicher, düsterer und kompromissloser Action-Thriller, dem jedoch alles fehlt, was seinen Vorgänger aus der Masse des Genres heraushob. Schade.

    6,5/10

  • #2
    Sehr schöne Review, vielen Dank. Ich werde mir den Film zeitnah ansehen, hatte aber auch von Beginn an nicht die Erwartung, dass er in irgendeiner Form an Teil 1 herankommen wird, denn dieser war, wie du es so schön beschrieben hast, deutlich von der Masse des Genres herausgehoben...
    Viele Grüße
    Matze



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    • #3
      Zitat von CineMatze Beitrag anzeigen
      hatte aber auch von Beginn an nicht die Erwartung, dass er in irgendeiner Form an Teil 1 herankommen wird,
      Ich auch nicht wirklich. Ist er auch nicht. Man kann ihn wirklich gut gucken, ich glaube aber ich hätte ihn lieber gemocht, wenn er ein eigenständiger Film gewesen wäre. So hat man irgendwie ja doch immer den Vergleich im Hinterkopf.

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      • #4
        Von zweiten Teilen erwarte ich nie, das sie an den ersten heran kommen, dadurch war die Fortsetzung Aliens damals der Oberknüller, leider aber über die Jahre einer der wenigen Ausnahmen.

        Ein anderer Film als der erste klingt ja erstmal gut, habe mich entschieden die Folie zu öffnen und mir den doch mal der Tage anzuschauen. Mal sehn wie er bei mir funktioniert, aber 6,5 von 10 ist ja noch kein total Ausfall, das sind dann Werte weit jenseits der 5, zumindest bei mir. :zwinker:
        Serienjunkie durch und durch...

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        • #5
          Danke für das Review ;)

          Habe am Wochenende beide Teile hintereinander geschaut. Prinzipiell sehe ich Teil 2 auch ein gutes Stück hinter Villeneuves Werk. Die politische Situation lasse ich dabei mal aussen vor - wer weiß schon, was bei den Amis so läuft. Gerade der Donald würde mit Sicherheit sehr gerne solche Aktionen in Auftrag geben.

          Visuell finde ich, liegt Sollima gar nicht soweit weg von Villeneuve. Er hat zumindest viel vom Look übernommen.

          Mir fehlte auch ein Gegenpol ala Emily Blunt, so sind es jetzt doch recht gleichartige Charaktere.

          Die Action ist auf jeden Fall wieder klasse in Szene gesetzt, vor allem der Sound ist eine Wucht.

          Ingesamt habe ich ihn mit 7 von 10 Punkten bewertet.

          Nun ja, bin gespannt wie Teil drei wird - hoffentlich nehen sie day Beste aus beiden Teilen.

          PS: Auch wenn kein genauer Zeitraum angegeben wird, würde ich sagen, dass er klar nach Teil 1 spielt - vor allem Brolin sieht auch merklich älter aus. Man hatte wohl mal überlegt, den Film als Prequel anzulegen und Gillicks Zeit als Anwalt zu zeigen. Aber dann ist wohl doch ein Sequel draus geworden.

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          • #6
            Zitat von jackoneill Beitrag anzeigen
            Ein anderer Film als der erste klingt ja erstmal gut, habe mich entschieden die Folie zu öffnen und mir den doch mal der Tage anzuschauen. Mal sehn wie er bei mir funktioniert, aber 6,5 von 10 ist ja noch kein total Ausfall, das sind dann Werte weit jenseits der 5, zumindest bei mir. :zwinker:
            6,5 ist bei mir ein guter Film. In meinem System ist 5 der Durchschnittsmeridian :zwinker: Aber der erste hatte halt so um die 8 Punkte von mir bekommen.

            Zitat von Jörn P.
            Habe am Wochenende beide Teile hintereinander geschaut. Prinzipiell sehe ich Teil 2 auch ein gutes Stück hinter Villeneuves Werk. Die politische Situation lasse ich dabei mal aussen vor - wer weiß schon, was bei den Amis so läuft. Gerade der Donald würde mit Sicherheit sehr gerne solche Aktionen in Auftrag geben.
            Ich meinte mit meiner Kritik an der Stelle jetzt nicht, ob so etwas passiert oder nicht (ich gehe immer davon aus, dass es Black Ops gibt). Ich finde nur der erste Teil hat zu dem Thema eben, nicht zuletzt auch durch die Figur von Emily Blunt, sehr gekonnt die Frage aufgeworfen, wie weit der Rechtsstaat bei so etwas gehen darf. Und das ist in den globalisierten Zeiten in meinen Augen ein ziemlich wichtiges Thema. Da braucht man gar keine Drogenkartelle für, wenn man schaut, was so an Waffen in Krisengebiete geliefert wird, wie die BW im Syrienkonflikt die Peschmerga trainiert und bewaffnet hat (und das ist noch nicht einmal offizielle Armee eines offiziellen Staates), sowas halt.

            Und das Thema steht natürlich im zweiten Teil weiter im Raum, aber Sollima fügt dem nicht wirklich was hinzu. Finde ich zumindest.

            Visuell finde ich, liegt Sollima gar nicht soweit weg von Villeneuve. Er hat zumindest viel vom Look übernommen.
            Die ganze Anmutung ist ein wenig kühler, finde ich. Und er ist noch ein bisschen dokumentarischer was die Kameraführung angeht, das sieht man bei ihm viel. Aber natürlich gebe ich Dir trotzdem Recht, die generelle Anmutung des Films bleibt schon ähnlich. Was im Grunde neben den Charakteren auch das einzige ist, was die Filme wirklich verbindet. Inhaltlich haben die ja nichts miteinander zu tun.

            Mir fehlte auch ein Gegenpol ala Emily Blunt, so sind es jetzt doch recht gleichartige Charaktere.
            Das macht Sollima in seinen italienischen Filmen auch gerne so. Auf Charaktere zum Mögen wird verzichtet, stattdessen bekommt man die Bösartigkeit und Gewalt ungefiltert ins Gesicht, mit einer teilweise ziemlich erschreckenden Beiläufigkeit. Ich meine, wenn einen im ersten Teil noch schockiert hat, wie Alejandro die mexikanische Familie beim Abendessen besuchte [....] obwohl das ja gegen Ende des Films war, hätte man sich in Teil 2 halt schon nach 5 Minuten nicht mehr sonderlich gewundert. Das ist ja auch nur konsequent für eine Fortsetzung.

            Generell hat mir das alles in Teil 1 besser gefallen, weil das Entfalten der Charaktere und was sie da eigentlich tun, einen großen Teil des Reizes ausgemacht haben. Das entfällt in der Fortsetzung natürlich.


            Die Action ist auf jeden Fall wieder klasse in Szene gesetzt, vor allem der Sound ist eine Wucht.

            Ingesamt habe ich ihn mit 7 von 10 Punkten bewertet.
            Mal sehen, wie er bei mir Bestand hat. Teil 1 habe ich bisher so 3-4 mal gesehen und finde ihn immer noch brillant.

            Nun ja, bin gespannt wie Teil drei wird - hoffentlich nehen sie day Beste aus beiden Teilen.

            PS: Auch wenn kein genauer Zeitraum angegeben wird, würde ich sagen, dass er klar nach Teil 1 spielt - vor allem Brolin sieht auch merklich älter aus. Man hatte wohl mal überlegt, den Film als Prequel anzulegen und Gillicks Zeit als Anwalt zu zeigen. Aber dann ist wohl doch ein Sequel draus geworden
            Ich bin mir nicht so sicher, ob er danach spielt, so diese Bemerkungen um Alejandros Ausbildung und so... Naja, das ist nur so ein Gefühl.... nicht sicher halt. Aber es ist ja auch egal.

            Ob ich noch einen dritten Teil brauche, weiß ich nicht, besser sie würden dann ein bisschen was Neues mit einfließen lassen!

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            • #7
              Das man auf den Gute-Mensch-Charakter verzichtet, finde ich jetzt nicht mal ein Nachteil und ich denke fehlen wird mir so ein Charakter auch nicht. Hatten wir ja in Teil 1 und was mir daran gefällt somit kann sich zumindest da die Story nicht wiederholen, da der Charakter einfach fehlt. Finde es interessant, wenn Schema F nicht vorhanden ist, sprich Gut gegen Böse. Somit kann sich ein Film ja in jegliche Richtung entwickeln.
              Serienjunkie durch und durch...

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              • #8
                Nun auch den zweiten Teil geschaut..

                Nach einem Attentat auf einen US-Supermarkt, scheint die Spur auf Täter zu führen, die über die mexikanische Grenze geschmuggelt wurden.
                Matt Graver (Josh Brolin) wird beauftragt die illegale Einwanderung einzudämmen, mithilfe eines angestifteten Bandenkrieges, soll es den gewünschten Erfolg versprechen.

                Die Idee, die Tochter des Drogenbosses zu entführen und dem anderen Kartell in die Schuhe zu schieben, scheint das geeignete Mittel zu sein um den Bandenkrieg zu entfachen.
                Hierfür kommt der Söldner Alejandro Gillick (Benicio Del Toro) auf den Plan, der den Krieg anzetteln soll.
                Die Entführung gelingt und alles scheint zu funktionieren..


                Soviel zur Story, der erste Teil zählt zu meinen persönlichen Favoriten, auch weil ich neben den tollen Darstellern, die Werke von Denis Villeneuve mag, dazu ein genialer Score von Jóhann Jóhannsson und einer spannenden und Atmosphärisch dichten Inszenierung.

                Nun die Fortsetzung habe ich erst mal nicht erwartet, da Teil 1 für mich abgeschlossen dasteht. Daher war ich skeptisch und der Kinobesuch blieb aus, was nicht die schlechteste Idee war.
                Der Film wirkt teilweise Episodenhaft, die ursprüngliche Geschichte einen Bandenkrieg zu entfachen, verliert sich zu einem nicht weitergeführten Nebenstrang.
                Vieles wirkt auch von der Bildsprache ala Copy and Paste zum ersten Teil, eine richtige Spannung kommt leider auch selten auf. Das liegt daran, das man den beiden Hauptdarstellern bzw. ihren Figuren etwas mehr Tiefe geben möchte, aber auch weil die außergewöhnliche Komponente fehlt, die den ersten Teil stark machte.
                Die Story ist zu simpel um lange zu fesseln und bietet da, zudem weniger Figuren involviert sind, kaum Abwechslung und Aha Erlebnisse, obwohl hier Potential in der Story wäre.
                Letztlich kein schlechter Film, mit guten Momenten und soliden Actionszenen. Der sich aber an seinen Vorgänger messen lassen muss und nicht an dessen Originalität herankommt.
                Allerdings auch ein schweres Erbe, somit bleibt ein unterhaltsamer Film, der von seinen beiden guten Hauptdarstellern lebt, welche die teils spannungsarme Story exzellent tragen.


                Das Bild passt zum Vorgänger, warm und kühl gefilterte Bilder geben sich die Klinke. Der Kontrast und gerade die Schärfe überzeugen aber und so gibt es ein tolles Bild auf der heimischen Leinwand.

                Auch der Ton ist ein Highlight, schon der Score wabert finster durch den Raum. Die Actionszenen werden dynamisch und druckvoll abgebildet, alle Speaker sind bestens eingebunden und so entsteht eine eindrucksvolle und räumliche Kulisse. Hier gibt es nichts zu meckern..


                Film: 7/10 (knapp)
                Bild: 8,5/10
                Ton: 8,5/10




                Gruß Harry

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